camiler.org aufbauen: Ein programmatisches SEO-Experiment mit Google Maps und OpenAI
Von Evren BalVeröffentlicht Aktualisiert · 6 Min. Lesezeit

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💡 Kurzfassung:
- Das Projekt: Ein modernes, standortbasiertes Moscheeverzeichnis mit Suchfunktion, entwickelt mit Fastify und Nuxt 3, um veraltete oder fehlende Karteneinträge zu ergänzen: camiler.org.
- Das Experiment: Daten von Diyanet, Google Maps und von OpenAI erzeugte Zusammenfassungen sollten nützliche Seiten für lokale Suchanfragen schaffen, bei denen ich Nachfrage, aber schwache Ergebnisse beobachtete.
- Das frühe Ergebnis: Nach etwa 15 bis 20 Tagen zeigte die Search Console rund 2.000 Impressionen und 30 Klicks pro Tag. Ein Jahr später war die Sichtbarkeit weit darüber hinausgewachsen, der Umsatz jedoch nicht.
Dieser Beitrag hält camiler.org in den ersten Wochen fest, als die frühen Suchzahlen vielversprechend wirkten. Ein Jahr später erreichte die Website ungefähr eine Million monatliche Impressionen und mehr als 10.000 Klicks, erzielte aber keinen Umsatz. Dieses Ergebnis behandle ich in der Nachbetrachtung zum programmatischen SEO. Im Folgenden geht es um die ursprüngliche Entstehungsgeschichte: das erkannte Problem, das gebaute System und die manuelle Arbeit hinter den ersten Anzeichen von Reichweite.
Von einer Theme-Übersetzung zu camiler.org
Die Idee entstand nicht aus einer religiösen Erleuchtung. Sie begann – tatsächlich – während der Übersetzung eines WordPress-Themes. Mein Freund Emre Erkan und ich arbeiteten an einem Theme für Kirchen, als er beiläufig vorschlug: „Warum machen wir nicht auch ein Moschee-Theme?“ Das klang interessant, doch ich war skeptisch. „Moscheen in der Türkei unterscheiden sich stark von Kirchen“, antwortete ich. „Sie werden zentral verwaltet, haben selten eigene Websites und funktionieren meist nicht wie kirchliche Gemeindezentren.“
Der Gedanke blieb trotzdem hängen. Später erinnerte ich mich an eine frustrierende Situation: Für ein Totengebet suchte ich in der Stadt eine Moschee. Google Maps half nicht. Entweder erschien die Moschee gar nicht oder ihr Standort war falsch. Auch eine manuelle Google-Suche brachte wenig. Meist fand ich veraltete Angaben, touristische Seiten oder überhaupt kein brauchbares Ergebnis.
Da wurde mir klar, dass sich eine Untersuchung lohnte. Ich bezeichne mich nicht als religiös, sondern eher als säkularen Menschen in einer weitgehend religiösen Gesellschaft. Dennoch erkannte ich einen konkreten Nutzen in der Lösung dieses Problems. Es ging nicht um Glauben, sondern um Nützlichkeit – und zugegeben um etwas technische Neugier.
Technologie-Stack und Infrastrukturentscheidungen von camiler.org
| Schicht | Technologie | Begründung und Optimierung |
|---|---|---|
| Backend | Fastify (Node.js) | Hohe Leistung, geringe Latenz, schlankes Framework |
| Frontend | Nuxt 3 | Serverseitig gerenderte Seiten und flexibles Frontend |
| Datenbank | MariaDB | Zuverlässige relationale Datenspeicherung |
| Caching | Redis | Komprimierte Nutzdaten für geringeren RAM-Bedarf auf günstigen Servern |
| Speicher | Cloudflare R2 | Objektspeicher, dessen kostenloses Kontingent zum Start ausreichte |
Von der Theme-Idee zu einem öffentlichen Suchproblem
Die Idee eines Moschee-„Themes“ verwarfen wir schnell und wechselten zu etwas Größerem: einem Moscheeverzeichnis mit Standortsuche. Diyanet, die türkische Religionsbehörde, stellt eine öffentliche Liste registrierter Moscheen bereit. Google Trends zeigte wiederkehrendes Interesse am Begriff „cami“. Das war ein Nachfragesignal, keine präzise Untersuchung des Suchvolumens. Außerhalb berühmter Orte wie Hagia Sophia oder Süleymaniye wirkten die Suchergebnisse zudem dünn. Zusammengenommen waren diese Beobachtungen ausreichend, um das Verzeichnis zu testen.
Die Domain war frei, also begann ich zu bauen
Ich stellte fest, dass camiler.org – auf Türkisch „Moscheen“ – verfügbar war, und erzählte Emre davon. Einen Abend lang waren wir begeistert, doch in den folgenden Tagen hatten für ihn andere Dinge Vorrang. So ist das Leben. Also machte ich allein weiter.
Ich hatte eine Weile nichts mehr gebaut, und dies schien ein Experiment mit überschaubarem Risiko und möglichem Nutzen zu sein. Technisch reizten mich vor allem diese Punkte:
- Der Datensatz von Diyanet verschaffte mir einen Vorsprung.
- Die Google Maps API konnte helfen, Moscheen zu lokalisieren und darzustellen.
- Verfügbare Bilder und Bewertungen konnten als Eingaben für von OpenAI erzeugte Zusammenfassungen dienen.
- Das Projekt eignete sich zum Testen von SEO, Datenverarbeitung und Inhaltsqualität.
Die Seitenstruktur
Ich ergänzte JSON-LD und strukturierte die URLs nach der Beziehung zwischen Provinzen, Bezirken und einzelnen Moscheen. Dieselbe Hierarchie erleichterte auch den Nutzern die Navigation im Verzeichnis.
OpenAI, Karten und die Grenzen der Automatisierung
Für die Inhaltserstellung begann ich mit einem einfachen Prompt. Die im Ablauf verfügbaren Google-Maps-Daten enthielten jedoch nur eine kleine Auswahl an Bewertungen, die häufig schlechte Eingaben waren. Die frühen Ergebnisse des Sprachmodells waren unordentlich: erfundene Tatsachen und allgemeine Texte. Ich überarbeitete und präzisierte den Prompt. Die Resultate wurden besser, blieben aber weit von perfekt entfernt.
Manchmal gibt es schlicht nicht genügend gute Ausgangsdaten für brauchbare Inhalte. Genau darin liegt das Problem: Automatisierung klingt in der Theorie gut, ist in der Praxis aber anfällig.
Datenqualität machte aus Automatisierung manuelle Arbeit
Die Daten von Diyanet enthielten zahlreiche Inkonsistenzen: doppelte Adressen, fehlende Felder und sogar falsch zugeordnete Bezirke. Für viele Moscheen in Kleinstädten und Dörfern gab es in Google Maps keinen zuverlässigen Treffer.
Häufig fehlten Fotos. In manchen Fällen zeigte das Ergebnis etwas völlig anderes als die Moschee. Deshalb baute ich im Administrationsbereich einen Prüfablauf. Lag das System richtig, bestätigte ich den Eintrag mit einem Klick. Andernfalls suchte ich manuell, trug Koordinaten ein, wählte ein besseres Bild und bereinigte den Inhalt.
Was ich mir als vollständig automatisiertes System vorgestellt hatte, wurde halbmanuell. So sieht reale Entwicklung aus.
Die ersten 15 bis 20 Tage in der Suche
Nach dem Start reichte ich die Sitemaps bei Google ein. Innerhalb weniger Tage wurden Hunderte Seiten indexiert. Nach ungefähr zwei bis drei Wochen zeigte die Search Console:
- etwa 2.000 Impressionen pro Tag
- etwa 30 Klicks täglich
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich weder bezahlte Anzeigen geschaltet noch eine Social-Media-Kampagne gestartet oder gezielt Links aufgebaut. Die Zahlen sind eine Momentaufnahme des Starts, kein Beweis dafür, dass eine bestimmte technische Entscheidung die Indexierung oder den Traffic verursacht hat.

Was ich als Nächstes plante
Zu diesem Zeitpunkt erwog ich unter anderem folgende Ideen:
- den Nutzern die nächstgelegene Moschee über ihren Standort zeigen
- den Freigabeprozess im Administrationsbereich zu einer spielerischen Gemeinschaftsaufgabe machen
- Nutzern erlauben, Bilder und Bewertungen beizutragen
- besuchte Moscheen oder Wunschlisten erfassen
- sofern rechtlich möglich, verifizierte Imam-Profile für Ankündigungen und Veranstaltungen erstellen
- langfristig Diyanet wegen einer Zusammenarbeit ansprechen
Wie ich mir die Monetarisierung vorstellte
Zum Start nahm ich an, dass Zielgruppe und geografische Seitenstruktur verschiedene Werbemöglichkeiten eröffnen könnten. Viele Besucher wären nicht unbedingt tief religiös. Manche wären Menschen wie ich, die sich aus sozialen oder kulturellen Gründen durch religiöse Bräuche bewegen. Dennoch war camiler.org eine türkischsprachige Website für Suchanfragen in einem überwiegend muslimischen Land.
Zu meinen Werbehypothesen gehörten:
- Menschen, die sich mit Beerdigungen oder anderen kulturellen Bräuchen befassen, würden die Zielgruppe über regelmäßige Moscheebesucher hinaus erweitern.
- Beteiligungsbanken, Anbieter zinsfreier Wohnfinanzierung, Lebensmittelketten und Marken für dezente Mode könnten sich mit Teilen dieser Zielgruppe überschneiden.
- Provinz- und Bezirksseiten könnten lokale Werbung tragen.
Damals war es zu früh, um zu wissen, ob eine dieser Ideen funktionieren würde. Die ersten Suchzahlen zeigten Nachfrage nach den Seiten, nicht Zahlungsbereitschaft oder ein tragfähiges Werbemodell.
Dieser Unterschied wurde im folgenden Jahr deutlich. Die Sichtbarkeit in der Suche wuchs weiter, die wirtschaftlichen Annahmen hielten jedoch nicht stand. Die Nachbetrachtung nach einem Jahr beschreibt das Ergebnis und die Validierungsarbeit, die ich vor einem Ausbau in diesem Umfang hätte leisten sollen.
🎯 Aktualisierung: Das Experiment erreichte schließlich eine Million monatliche Impressionen, erzielte aber keinen Umsatz. Lesen Sie die vollständige Nachbetrachtung zum programmatischen SEO.
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