Technologie verwalten und das Unternehmen verändern sind nicht dasselbe
Von Evren BalVeröffentlicht · 4 Min. Lesezeit

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💡 Kernaussagen
- IT-Betrieb und digitale Transformation erzeugen unterschiedliche Geschäftsergebnisse. Das eine hält die heutigen Systeme am Laufen, das andere verändert, wie das Unternehmen morgen arbeitet.
- Technisch ähnliche Systeme können sehr unterschiedlichen Geschäftswert haben. Der Zugang von Mitarbeitenden zu einem ERP-System und eine kundennahe digitale Plattform können auf ähnlicher Infrastruktur beruhen; das eine unterstützt interne Produktivität, das andere beeinflusst Umsatz und Kundenerlebnis direkt.
- Die Unterscheidung zwischen CIO und CTO ist mehr als eine Titeldiskussion. Getrennte Rollen spiegeln wider, dass Kontinuität und Wettbewerbsvorteil einen unterschiedlichen Führungsfokus verlangen.
Wenn ein Unternehmer meint, „alles rund um Technologie ist Aufgabe der IT“, sieht er Technologie wahrscheinlich nur als Infrastrukturleistung.
Doch der Begriff „IT“ bündelt heute sehr unterschiedliche Arten von Arbeit.
Die Maus eines Mitarbeiters funktioniert vielleicht nicht. Er kann nicht auf E-Mails zugreifen, sich nicht mit dem ERP-System verbinden, das Büronetzwerk oder VPN nicht nutzen. Antivirenlizenzen müssen erneuert, Zugriffe verwaltet, Backups ausgeführt und Systeme sicher gehalten werden.
All das ist Technologiearbeit. Aber auch diese Aufgaben sind es:
- Mit Daten bestimmen, welchen Kunden der Vertrieb mit welchem Angebot ansprechen sollte
- Kundenanfragen mit KI analysieren und dem richtigen Team und der passenden Aktion zuordnen
- Messen, welche Marketingkanäle tatsächlich Umsatz schaffen, und Budgets dynamisch umverteilen
- Ein Produktionsproblem vorhersagen, bevor es eintritt
- Hunderte manueller Tätigkeiten automatisieren und Routinearbeit von Menschen auf Systeme verlagern
- Einen neuen digitalen Kanal schaffen, der das Kundenerlebnis verändert
- Unternehmensdaten in ein neues Produkt, einen Service oder ein Erlösmodell überführen
In vielen Unternehmen erhalten beide Arten von Bedarf dennoch dieselbe Antwort: „Sprechen wir mit der IT.“
Hier beginnt das Problem.
Dieselbe Technologie, zwei unterschiedliche Verantwortungen
Tatsächlich werden hier zwei unterschiedliche Aufgaben beschrieben.
Die erste besteht darin, die Technologie, die das Unternehmen bereits nutzt, zuverlässig zu betreiben. Mitarbeitende müssen ihre Computer nutzen, auf das ERP zugreifen, E-Mails versenden, mit dem Netzwerk verbunden bleiben, sicher arbeiten und darauf vertrauen können, dass Backups erstellt werden.
Der Erfolg dieser Funktion wird üblicherweise gemessen an:
- Kontinuität
- Sicherheit
- Standardisierung
- Servicequalität
- Kostenkontrolle
Die zweite Verantwortung besteht darin, Technologie zu nutzen, um die Arbeitsweise des Unternehmens zu verändern.
Dann lautet die Frage nicht mehr „Funktioniert das System?“, sondern etwa:
Wie können wir den Umsatz steigern?
Können wir diesen Prozess vollständig automatisieren?
Können wir unsere Kunden besser verstehen?
Können wir das mit zwei statt mit zehn Personen bewältigen?
Welche Fähigkeit kann uns Technologie geben, die unsere Wettbewerber nicht haben?
Dieser zweite Bereich geht über betriebliche Kontinuität hinaus. Er berührt unmittelbar Geschäftsmodell, Kundenerlebnis, Effizienz, Umsatzwachstum und Wettbewerbsvorteil.
Ein System etwa, das Vertriebsanfragen auf Grundlage von Regeln, Kapazität und Kundenkontext automatisch weiterleitet, ist nicht bloß ein Softwareprojekt. Es verändert, wie das Unternehmen Entscheidungen trifft. Ein konkretes Beispiel beschreibe ich in der von uns bei Vanity entwickelten Echtzeitplattform für Entscheidungsunterstützung und Vertriebssteuerung.
Selbst Infrastruktur kann eine unterschiedliche Geschäftswirkung haben
Die Unterscheidung zeigt sich auch auf Infrastrukturebene.
Ein Server, der Mitarbeitenden Zugriff auf ein ERP-System gibt, und ein Server, der eine kundennahe digitale Plattform online hält, können technisch ähnlich aussehen. Beide benötigen Leistung, Verfügbarkeit, Sicherheit und Redundanz.
Doch sie spielen nicht dieselbe Rolle im Unternehmen.
Der erste ermöglicht Mitarbeitenden, ihre Arbeit zu erledigen. Der zweite erreicht Kunden, erzeugt Umsatz, ermöglicht Wachstum und ist in manchen Unternehmen selbst das Produkt.
Es geht also nicht einfach darum, die IT-Abteilung umzubenennen. Die eigentliche Frage lautet, welche Rolle Technologie im Unternehmen spielt.
Auf der einen Seite steht dieser Bedarf:
Das Unternehmen am Laufen halten.
Auf der anderen:
Dem Unternehmen helfen, besser, schneller und anders zu arbeiten.
Was die Unterscheidung zwischen CIO und CTO zeigt
Eine Führungsreflexion dieser Differenz findet sich in den Rollen von CIO und CTO.
Traditionell steht ein CIO eher internen Systemen, Unternehmensanwendungen, Informationssicherheit, Infrastruktur und der Technologie nahe, die Mitarbeitende nutzen. Ein CTO steht näher an dem Bereich, in dem Technologie zu Produkt, Kundenwert und Wettbewerbsvorteil wird.
Natürlich bedeuten diese Titel in unterschiedlichen Unternehmen Unterschiedliches. In einigen Organisationen verantwortet der CIO auch die digitale Transformation. In anderen führt der CTO die gesamte Technologieorganisation. Andernorts bedeutet CTO vor allem die Leitung eines Softwareentwicklungsteams.
Dennoch weist die Entstehung von CIO und CTO als getrennten Rollen auf einen wichtigen Bedarf hin: Die Technologie eines Unternehmens zu verwalten ist nicht dasselbe, wie Technologie zur Gestaltung seiner Zukunft einzusetzen.
KI macht diese Unterscheidung noch klarer. Sie beschleunigt nicht nur bestehende Arbeit ein wenig; sie kann neue Kapazität für Prüfung, Klassifikation und Entscheidungsfindung schaffen, die zuvor wirtschaftlich nicht machbar gewesen wäre. Wird diese Kapazität jedoch für den Betrieb kritisch, muss das Unternehmen auch seine KI-Abhängigkeit und operative Resilienz steuern.
Die daraus entstehende Geschwindigkeit braucht weiterhin gutes Urteilsvermögen und Prüfung. Diesen Zielkonflikt habe ich in KI hat Code billig gemacht, aber Prüfung ist weiterhin teuer untersucht.
Der zentrale Fehler vieler Organisationen besteht heute darin, vom selben Team und oft derselben Führungskraft beide Verantwortungen zu erwarten. Die Arbeit kann zwar erledigt werden. Diese Struktur hindert das Unternehmen jedoch oft daran, Technologie vollständig auszuschöpfen.
Meiner Ansicht nach beginnt der tiefere Fehler vor dem Organigramm: Sehen wir Technologie nur als Unterstützungsfunktion, die das Unternehmen am Laufen hält, oder als strategische Fähigkeit, die verändern kann, wie das Unternehmen konkurriert?
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