# Englisch wieder in meinen Arbeitsalltag holen

> Ein Berufswechsel und KI auf Türkisch ließen mich weniger Englisch üben. Jetzt hole ich die Sprache über meine tägliche Arbeit mit KI zurück.

Ich nutze KI heute mehr denn je. Bis vor Kurzem führte ich diese Gespräche aber fast ausschließlich auf Türkisch. Gleichzeitig wurde ich im Englischen zunehmend unsicher. Auf eine Sprache, die ich einmal mühelos verwendet hatte, konnte ich immer öfter einfach verzichten.

Dann bemerkte ich eine Möglichkeit, die direkt vor mir lag. Einen großen Teil meines Arbeitstags verbringe ich ohnehin damit, KI Probleme zu erklären. Wenn ich die Sprache dieser Gespräche ändere, kann Englisch wieder Teil meiner Routine werden, ohne eigens Lernzeit freimachen zu müssen.

## Als die Arbeit mein Englisch noch aktiv hielt

Als ich mein Studium abschloss, lag mein Englisch auf C1-Niveau. Im TOEFL erzielte ich 287 von 300 Punkten, konnte mich in Gesprächen gut beteiligen und englischsprachige Filme ohne Untertitel ansehen.

Mit den Jahren verlor ich etwas von meiner damaligen Sprachgewandtheit. Über mehrere Positionen bei ARDEX Turkey, der türkischen Tochtergesellschaft der internationalen ARDEX Group, blieb Englisch dennoch Teil meines Berufsalltags.

Zu meinen Aufgaben gehörte die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland. Wir besprachen technische Details neuer Produkte, und ich erläuterte türkische Vorschriften und Anforderungen des Markts. Dazu kamen Anfragen zu Risikoanalyseberichten und Jahresprognosen sowie gelegentliche Reisen nach Österreich oder Deutschland für Besprechungen und Schulungen.

Die Häufigkeit dieses Austauschs schwankte. Manchmal gab es viel Kontakt, manchmal deutlich weniger. Zwischen Videokonferenzen, Telefonaten, E-Mails sowie den Artikeln und Vorschriften, die ich lesen musste, hatte Englisch weiterhin einen praktischen Zweck.

Seit dreieinhalb Jahren bin ich CTO des Vanity Cosmetic Surgery Hospital. Mit diesem Wechsel veränderte sich mein Arbeitsumfeld, und die internationale Kommunikation, die mein Englisch aktiv gehalten hatte, fiel weitgehend weg.

KI nahm mir nach und nach auch einen weiteren Grund, Englisch zu nutzen. Als ich mit ChatGPT 3.5 anfing, schrieb ich meine Prompts meist auf Englisch, weil die Ergebnisse damit aus meiner Sicht besser waren. Als die Systeme auf Türkisch leistungsfähiger wurden, wechselte ich. Eine komplexe Aufgabe in meiner Muttersprache zu erklären, war einfacher.

Außerdem las ich deutlich weniger auf Englisch; zuvor war das oft nötig gewesen. Irgendwann bot selbst das Formulieren von Prompts keine regelmäßige Übung mehr.

Jahrelang gab mir die Arbeit Gründe, Englisch zu verwenden. Als diese Gründe verschwanden, tat ich wenig, um sie zu ersetzen. KI machte es außerdem leichter, im Arbeitsalltag ohne Englisch auszukommen, auch wenn die Veränderung meines Arbeitsumfelds schon vorher einen wesentlichen Anteil hatte.

## Üben in der Arbeit, die ich ohnehin mache

Zeit nur für Gespräche mit KI zum Englischüben beiseitezulegen, würde ich vermutlich nicht dauerhaft durchhalten. Englisch bei meiner tatsächlichen Arbeit zu verwenden, erscheint mir wesentlich realistischer.

In diesen Gesprächen erkläre ich ohnehin komplexe Probleme, liefere Kontext, vergleiche Möglichkeiten und präzisiere, was ich meine. Das könnte mir regelmäßig Gelegenheit geben, mich ausführlich auf Englisch auszudrücken. Ich habe einen Grund, den passenden Ausdruck zu finden, weil ich damit ein echtes Problem lösen will.

Deshalb habe ich die Anweisungen für meine KI-Assistenten angepasst. Sie sollen mich daran erinnern, auf Englisch zu kommunizieren, und auffällige Fehler, wiederkehrende Fehler und unnatürliche Formulierungen korrigieren. Die Hinweise sollen mir helfen und zugleich genug Raum für die eigentliche Arbeit lassen.

Bisher wählte ich die Sprache eines Prompts vor allem danach, wie leicht sich eine Aufgabe darin erklären ließ. Diese Entscheidung bestimmt aber auch, wie viel Englisch ich über den Tag hinweg nutze. Ich kann etwas mehr Aufwand im Gespräch in Kauf nehmen, wenn er mir hilft, eine Fähigkeit zu erhalten, die mir wichtig ist.

Mit dem Schreiben fange ich an. Nach etwas Übung werde ich vielleicht auch die Sprachfunktionen von KI auf Englisch nutzen. Ich hoffe, dass ich mich dadurch beim Sprechen wohler fühle. Die Gewohnheit habe ich jedoch gerade erst verändert; ein Ergebnis gibt es noch nicht.

## Ein Bezugspunkt für die kommenden Monate

Als ich diese Geschichte auf Englisch erklärte, bat ich den Assistenten, mein aktuelles Niveau anhand unseres Gesprächs einzuschätzen. Ich hatte mich gefragt, ob ich inzwischen unter B1 gefallen sein könnte.

Die Einschätzung lag bei etwa B2 für mein spontanes Schreiben, möglicherweise bei B2+, wenn ich komplexe Gedanken schriftlich ausdrücke. Der Assistent verwies darauf, dass ich eine persönliche Geschichte schildern, Ursachen und Folgen verbinden, Aussagen einordnen und abstrakte Gedanken schriftlich diskutieren konnte. Als konkrete Schwächen nannte er Artikel, Präpositionen, Verbformen, Rechtschreibung und natürliche Formulierungen.

Das war eine informelle Einschätzung auf Grundlage eines kurzen schriftlichen Austauschs. Sie war keine formale Sprachprüfung und erlaubt keine verlässliche Aussage über mein Sprechen oder Hörverstehen. Trotzdem machte sie genauer sichtbar, woran ich arbeiten muss. Zuvor hatte ich mein Englisch nur pauschal als schlechter wahrgenommen.

In einigen Monaten kann ich einem Assistenten diesen Text zeigen und dieselbe Frage stellen. Eine weitere Einschätzung würde für sich genommen keine Verbesserung belegen. Aber ich hätte festgehalten, wo ich begonnen habe und was ich ändern wollte.

Früher übte ich Englisch, weil meine Arbeit es verlangte. Jetzt habe ich die Möglichkeit, diese Übung aus eigener Entscheidung wieder in meinen Arbeitsalltag zu holen. Das nächste komplexe Problem, das ich einer KI erkläre, ist ein Anfang.

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